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Willkommen im Labyrinth – Künstlerische Irreführungen

Herford -

Die Ausstellung „Willkommen im Labyrinth“ ist im Museum Marta Herford bis zum 23. September 2018 zu Gast

Türen, die in ein blutrotes Dickicht aus zarten Fäden eingesponnen sind; hunderte Lampen und Spiegel, die unendliche Weite vortäuschen oder ein Raum, in dem die physikalischen Gesetze keine Gültigkeit mehr zu haben scheinen: Mit sechs großformatigen Rauminstallationen internationaler Künstler*innen inszeniert die Ausstellung „Willkommen im Labyrinth“ einen inspirierenden und sinnlichen Parcours im Museum Marta Herford. Besucht werden kann sie noch bis zum 23. September 2018. 

Angelehnt an die Symbolik des Labyrinths werden die zumeist eigens für die Ausstellung entwickelten Raumstrukturen von Anne Hardy, Peter Kogler, Christian Odzuck, Royden Rabinowitch, Chiharu Shiota und Song Dong die Gehry-Galerien von Marta Herford zum Teil tiefgreifend verändern. 

„Mir gefällt die Idee des Museums als Schutzraum für lustvolle Irrungen. Das Labyrinth dient uns hier vor allem als Denkfigur: Mit der Kunst nach ästhetischer Orientierung suchen und neue Wege entdecken – darin liegt auch eine Stärkung für einen zunehmend als unübersichtlich erlebten Alltag.“ Roland Nachtigäller

Ob Jahrmarktattraktion, Orientierungsfigur oder Symbol: Labyrinthe basieren auf einem jahrtausendealten Konzept. Als räumliche Irreführungen dienen Labyrinthe der kurzweiligen Unterhaltung und stehen symbolisch für die entbehrungsreiche Selbstfindung oder sind Abbild städtebaulicher Strukturen. In ihrer Vieldeutigkeit inspirieren sie auch zeitgenössische Künstler*innen: Nach einem Einstieg in das Konvolut des in den 1980er Jahren führenden Labyrinth-Forschers Hermann Kern greifen die Rauminstallationen in den Gehry-Galerien den lustvollen und irritierenden Aspekt des Labyrinths auf und präsentieren sich als eine alle Sinne ansprechende Körpererfahrung.

Ein bereits von weitem hörbarer Sound dringt aus Anne Hardys (*1970, Großbritannien) „Fieldwork“ (2014) – einer rätselhaften Holzkonstruktion, die im Marta-Dom steht. Eine Tür am seitlichen Vorbau lädt ein, die drei schummrig beleuchteten Räume im Innern zu betreten. Die hier platzierten Überbleibsel sind Zeugnisse einer vergangenen Handlung, die aber nicht mehr nachvollziehbar ist. Mit Requisiten aus ihrem persönlichen Umfeld entwickelt Anne Hardy ihre „Fieldworks“ als materielle Gedankenräume, die grundlegende Fragen nach psychologischer Prägung und ihrer Auswirkung auf die Wahrnehmung aufwerfen.

Mit „Everywhere“ (2016/2017) bezieht sich Song Dong (*1966, China) auf die nomadische Wohnstruktur einer mongolischen Jurte. Von außen gliedern bunte, verspiegelte Fensterrahmen, die der Künstler aus Abrissbaustellen in Peking gesammelt hat, den polygonalen Pavillon. In seinem Inneren suggerieren hunderte Spiegel und Lampen einen Raum von endloser Weite, in dem man jeden Halt zu verlieren scheint. Mit der Verwendung alter kultureller Erinnerungsstücke aus seiner Heimat bezieht sich Song Dong auf die teilweise drastischen Veränderungen urbaner Strukturen und schlägt eine Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft: Als Ort der Begegnung und Kommunikation können Besucher*innen und Gruppen während der Laufzeit die Installation für eigene Treffen beleben.

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