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In der Migrationsdebatte fehlen Zielsetzungen

Kreis Herford -

Unter dem Titel „Zuwanderung nach OWL – Chancen für die Region“ stand der 7. Integrationskongress OWL, zu dem sich jetzt 430 interessierte Bürger in den Räumen des Museum MARTa Herford trafen.

Veranstaltet wurde der Kongress vom Kreis Herford gemeinsam mit der Bezirksregierung Detmold, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, der Initiative für Beschäftigung und „widunetz – Netzwerk für Integration und Vielfalt im Kreis Herford“.

Die Teilnahme am Kongress bot dem Fachpublikum Gelegenheit, notwendige Weichenstellungen des Integrationsprozesses zu diskutieren und sich auszutauschen. Auch bestand Gelegenheit zum Austausch auf dem „Markt der Möglichkeiten“. 37 Institutionen und Einrichtungen aus OWL stellten hier ihre Arbeit im Bereich Integration vor.

Unter dem Titel „Zuwanderung nach OWL – Chancen für die Region“ stand der 7. Integrationskongress OWL

Thorsten Klute, Staatssekretär für Integration des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales NRW eröffnete den 7. Integrationskongresses in Herford vor großem Publikum. (Foto: Petra Scholz - Kreis Herford)

Fachliche Impulse boten zwei unterschiedliche Vorträge.

Prof. Dr. Jochen Oltmer von der Universität Osnabrück referierte zum Thema „Migration – gestern, heute, morgen“ und stellt Zuwanderung in der Zeitspanne von 1900 bis heute dar. Er betonte, die aktuelle Debatte um Migration sei geprägt von Ad-hoc-Thematisierungen, nicht von einer nachhaltigen Diskussion. Es werde nur über Instrumente gesprochen, die einer Zielerreichung dienen. Welche Ziele das seien sollten, werde in keiner Debatte behandelt.

Des Weiteren seien die Diskussionen geschichtsblind und raumvergessend. Aus der Geschichte könne viel über die aktuelle Situation gelernt werden, außerdem müsse Migration immer global und nicht regional betrachtet werden. Dass die Niederlassung von Menschen mit Migrationshintergrund global gesehen statistisch ein eher selteneres Ereignis sei, komme noch hinzu.

Volker Maria Hügel von der GGUA (Gemeinnützige Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender e.V.) hat in seinem Vortrag „Kinderrechte in der Flüchtlingspolitik“ Fragen aufgegriffen, die unseren gesellschaftlichen Umgang mit Menschen- und Grundrechten auf den Prüfstand stellen. Er zeigte das Konfliktfeld zwischen der UN-Kinderrechtskonvention und dem Ausländerrecht. An welcher Stelle der Gesetzte und Vorschriften das Kindeswohl stehe, sei nicht immer eindeutig. Er betonte, dass jede Entscheidung, bei der Kinder betroffen sind und das Kindeswohl nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt ist, rechtsfehlerhaft sei!

Moderiert wurde die Veranstaltung von Şenol Keser (Freier Journalist und Moderator aus Bielefeld).

Der Integrationskongress war in diesem Jahr über seine Bedeutung als Fachveranstaltung hinaus Abschluss und Auftakt zweier Migrationsprojekte im Kreis Herford.

Ende September 2015 schließt das vom BAMF geförderte Projekt „AkMiSOnen-IM-widunetz“ des Kreises Herford ab. Zielrichtung war unter anderem die Stärkung von „widunetz – Netzwerk für Integration und Vielfalt“ sowie eine quantitative Datenerhebung zur Bedeutung des Migrationshintergrundes im Kreis Herford (Basisdatenkatalog). Dieser Katalog konnte während des Kongresses auf dem Markt der Möglichkeiten eingesehen und mitgenommen werden.

Einen Auftakt wiederum stellt der Kongress für die 40. Interkulturelle Woche 2015 im Kreis Herford dar. Diese wird im Kreis Herford regelmäßig von Partnern aus „widunetz“ organisiert und durchgeführt und beinhaltet jährlich eine Vielzahl von regionalen Veranstaltungen, die in ihrer Gesamtheit gelebte Vielfalt darstellen. Die Interkulturelle Woche 2015 findet noch bis 4. Oktober 2015 unter dem Motto „Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt“ statt. Der Flyer zur Interkulturellen Woche kann unter www.kreis-herford.de eingesehen werden. (Text: Petra Scholz - Kreis Herford)