• Herford
  • Vlotho
  • Spenge
  • Enger
  • Löhne
  • Kirchlengern
  • Hiddenhausen
  • Bünde
  • Rödinghausen

Der „Melilla Mauerspringer“ blickt weit über das Lübbertor

Herford -

Als zweiten Beitrag zum Langzeitprojekt „5 Tore / 5 Orte“ entlang der verlorenen Herforder Stadtmauer schuf der spanische Künstler Fernando Sánchez Castillo die Skulptur „Melilla Mauerspringer“.

Als zweiten Beitrag zum Langzeitprojekt „5 Tore / 5 Orte“ entlang der verlorenen Herforder Stadtmauer schuf der spanische Künstler Fernando Sánchez Castillo die Skulptur „Melilla Mauerspringer“. Von dieser Skulptur am Lübbertor überträgt seitdem eine Webcam den Blick in die Herforder Innenstadt als Livestream ins Internet.

In der spanischen Exklave Melilla an der nordafrikanischen Küste flüchten tagtäglich Menschen an und auf meterhohe Zäune – auf der Suche nach einer neuen Heimat, einer sicheren Perspektive. Mit seiner Skulptur thematisiert Sánchez Castillo die Bedeutung von Grenzen, vom Dazugehören und Ausgeschlossensein. Der Titel spielt aber auch auf ein Kapitel der jüngeren deutschen Vergangenheit an, als mit Mauerspringer jene Personen bezeichnet wurden, die von der Westseite nach Ostberlin über die innerdeutsche Mauer kletterten — ein illegaler Grenzübertritt gegen die übliche Fluchtrichtung.

Mauerspringer 5 Tore / 5 Orte

Fünf durch eine Mauer verbundene Tore führten im Mittelalter in die Stadt Herford. Von hier gelangte man auch auf den wichtigsten Verbindungsstraßen in die umliegenden Handelszentren. Mit der Zeit verloren die Tore an Bedeutung, die Stadtmauern wurden zu eng und die Stadtgrenze verlagerte sich nach außen.

Heute sind von den historischen Toren nur noch die Namen geblieben, an ihren Stellen finden sich nun große Verkehrsknotenpunkte oder Brücken. 2006 wurde das Langzeitprojekt „5 Tore / 5 Orte“ von Marta Herford ins Leben gerufen. Für die fünf „verlorenen“ Stadttore werden internationale zeitgenössische Künstler*innen eingeladen, eine Skulptur im öffentlichen Raum zu entwickeln, um die Stadtgrenze als Übergangsort zu markieren und zu thematisieren sowie die Zukunft der Stadt, ihre Handels- und Austauschbeziehungen zu verdeutlichen.

Der „Mauerspringer“ am Lübbertor ist Teil II des Kunstprojektes „ 5 Tore / 5 Orte“ in Herford. Dennis Oppenheim, eine Schlüsselfigur US-amerikanischer Konzeptkunst, schuf Teil I mit seinem Werk „Safety Cones“, zwei mehrere Meter hohe Kegel, die 2010 an der Kreuzung Bergertor aufgestellt wurden. Die Wemhöner Stiftung schenkte die Großplastiken der Stadt Herford, gemeinsam mit dem Museum Marta wurde ihre Aufstellung realisiert.

Teil III des Langzeitprojektes in Sachen „Kunst im öffentlichen Raum“ ist nach Angaben von Marta-Direktor Roland Nachtigäller bereits in der konkreten Planung. Dafür gebe es einen Sponsor – und mit dem Song Dong habe man auch einen Künstler von internationalem Rang gefunden, der von dem Projekt begeistert ist und selbst ein Werk dafür schaffen will. Was es werden und wie es aussehen soll, werde jetzt intensiv diskutiert und abgestimmt. Der Chinese zeigt derzeit seine Skulptur „Everywhere“ im Rahmen der Ausstellung „Willkommen im Labyrinth – Künstlerische Irreführungen im Museum Marta.

Und geradezu begeistert ist Nachtigäller davon, dass sich sogar schon abzeichnet, Tor Nummer vier in nicht allzu ferner Zukunft ebenfalls realisieren zu können.

Fernando Sánchez Castillo

Fernando Sánchez Castillo

gehört zu den bedeutendsten spanischen Künstlern seiner Generation. 1970 in Madrid geboren, studierte er Bildende Kunst an der Universidad Complutense in Madrid und war zu Stipendienaufenthalten an der École national supérieure des Beaux-Arts in Paris und an der Rijksakademie Amsterdam. Mit seinen meist politischen Werken ist er international in vielen großen Ausstellungen vertreten und stellte unter anderem im Palais des Beaux Arts Brüssel, in der Tate Modern in London, im MoMA New York oder auf der Venedig-Biennale aus.

Als zweiten Beitrag zum Langzeitprojekt „5 Tore / 5 Orte“ entlang der verlorenen Herforder Stadtmauer schuf der spanische Künstler Fernando Sánchez Castillo die Skulptur „Melilla Mauerspringer“.

Säulen in der Marta-Lobby färben sich gelb - Engagierte Besuchergedanken zur „Nationalität“

Die charakteristischen Holzsäulen im Eingangsbereich des Museums Marta Herford werden Stück für Stück zu Nachrichtenbrettern. Hunderte von gelben Post-It-Zettelchen kleben dort dicht gedrängt und zeigen höchst unterschiedliche Gedanken von Besuchern zum Thema „Nationalität“. Im Austausch für einen solchen persönlichen Notizzettel darf man sich dann eine der genau 4.000 Modellfiguren des „Melilla Mauerspringers“ mitnehmen. Über die Hälfte dieser Figuren sind mittlerweile weg, doch das große Feld auf dem Boden sieht immer noch höchst beeindruckend aus.

Initiator dieser ungewöhnlichen Aktion ist der spanische Künstler Fernando Sánchez Castillo, dessen Skulptur für das Herforder Projekt „5 Tore / 5 Orte“ am Lübbertor eingeweiht wurde. Und so finden sich in der Marta-Lobby nun sehnsuchtsvolle Gedichtzeilen, Erinnerungen an eine ferne Heimat, politische Statements in unterschiedlichen Sprachen, kleine Zeichnungen, Botschaften an die Mitmenschen und vieles mehr. Beeindruckend ist es zu lesen, wie persönlich manche Gedanken und auch Apelle gehalten sind: „Die Welt wird grenzenlos sein!“, „Nationalität: Erdenbürger – das gilt universell und würde diese Zeile in Formularen unnötig machen!“, „EARTH without ART is just EH”

Die Aktion läuft noch, bis die letzte Figur im Austausch mit einer eigenen Notiz mitgenommen wurde – aber das Feld der begehrten Modellskulpturen wird rasch kleiner.

Das ist ebenfalls interessant:

Carsharing: Immer mehr machen bei diesem Projekt mit

»Gefangenenchor« singt um Leben und Freiheit

Drohne umfliegt Storchennest und erschreckt Tiere

"Everywhere" lädt ein zu Diskussion, Yoga und mehr

Willkommen im Labyrinth – Künstlerische Irreführungen

Mein Sommer, meine Stadt