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Mallorca - Mandelblüte, Berge und mehr…

Wer Mallorca auf Sonne, Strand, Wasser und Ballermann reduziert, wird dieser größten Baleareninsel in keiner Weise gerecht. Und man nimmt sich als Besucher die Freude und die Spannung, die mit einem Aufenthalt hier verbunden sein sollte – und kann. 

Wer ausschließlich Sonne tanken und Party haben will, ist im Süden sicherlich gut aufgehoben. Wer mehr oder anderes bevorzugt, wird außerdem vermutlich keinen Pauschalurlaub buchen und den Mietwagen als individuelle Transportmöglichkeit nutzen. Beides gibt es zu höchst unterschiedlichen Preisen, abhängig von den Wünschen, dem Geldbeutel, Qualität und letztlich Standort. 

Wir haben uns für ein Petit Hotel entschieden. Solche Herbergen gibt es in vielen Städten, und für einen Kleinwagen. Gerade letzterer erwies sich bei den Touren in den Bergen und durch die engen Gassen vieler schöner Dörfer als ausgesprochen sinnvoll. Die Petit Hotels sind häufig familiengeführte Häuser mit viel Charme in alten Mauern, herzlicher Freundlichkeit und aufmerksamem Service. 

Wir haben Alcudia als Standort für unseren erst zweiten Mallorca-Aufenthalt nach mehr als 25 Jahren gewählt. Eine sehr gute Entscheidung. Denn in Alcudia atmet man dank einer noch nahezu kompletten Stadtmauer mittelalterlichen Charme ohne Abgase: Pkw-Verkehr gibt’s nämlich innerhalb der Mauern nicht; hier kann man ungestört flanieren, Kinder können gefahrlos toben und spielen.

Gourmettempel gibt es in der Stadt eher nicht, aber man kann durchaus schmackhaft und ausreichend essen. Weinfreude dürften ihre Freude haben und gern auf den für Mallorca bekannten „Roten“ in vielen Geschmacksrichtungen zurückgreifen. Zusätzlich zum Kartenangebot lohnt es sich aber auch, nach offenen Hausweinen zu fragen, die es oft in guter Qualität und in Gläsern und Karaffen gibt.

Wir haben uns für einen Mallorca-Besuch im Februar entschieden, weil wir endlich einmal die Mandelblüte sehen und erleben wollten, für die die Insel gerade auch im Frühjahr berühmt ist. Wenn man lange genug sucht, findet man auch in Weiß und Rosa getauchte Plantagen. Charakteristisch für die Mandelblüte ist, dass die Blüten lange von den Blättern da sind. 

Im Frühjahr 2016 allerdings sieht man an vielen Bäumen neben den Blüten auch schon Blätter. Ortskundige führen das auf den Klimawandel und die Erderwärmung zurück, die die Bäume „durcheinander bringt“. Parallel dazu hat es im Winter 2015/16 auch viel zu wenig geregnet für die Jahreszeit. Flüsse und Bäche sind auch zur momentanen „Regenzeit“ ausgetrocknet, was die Menschen mit Sorge auf den kommenden Sommer blicken lässt.

Bildergalerie

Wer den Norden und Westen mit dem Welterbe Sierra Tramuntana kennenlernen will – eine Region mit weiten fruchtbaren Tälern, hohen Bergen und tiefen Schluchten -, ist im Frühjahr hier bestens aufgehoben. Es ist ebenso spannend wie erholsam, abseits des sehr gut ausgebauten Fern- und Landstraßennetzes auf schmalen Straßen und Wegen die unterschiedlichen Regionen zu erfahren. 

Das kann man am Bequemsten natürlich im Auto, open air aber auch auf Rollern, Rädern oder zu Fuß. Wobei man sich aber gerade bei Radtouren vor Selbstüberschätzung hüten sollte. Was in der Ebene um Selva mit Mandelbaum-Plantagen, rund um Binissalem mit Weinanbau und daneben und dazwischen mit vielen Olivenhainen noch leicht anmutet, wird Richtung Norden und Westen schnell zur Tortur bei schon mal 7 Prozent Steigung auf 15 Kilometer. Das ist wirklich nur etwas für trainierte Radler, die man gerade im Frühjahr hier in Scharen trifft - und auf die man immer gefasst sein sollte. Selbst auf der Ma 10 Richtung Cap Formentor, auf der halsbrecherischen Route nach Sa Calobra oder zwischen Inca und Valdemossa, wo es nicht nur einen Berg zu bezwingen gilt, sondern gleich mehrere...

Aber auch Autofahrern wird auf steilen Anstiegen und Abfahrten mit zahllosen Schleifen und Kehren einiges abverlangt. Unaufmerksamkeit kann übel enden, denn oft geht es an den meist ungesicherten Passstraßen steil bergab. Mallorcas Norden und Westen hat jedenfalls so viele anspruchsvolle Routen – insbesondere auch für Wanderer – zu bieten, wie wir sie in dieser Dichte noch nicht erlebt haben.

Überflüssig zu erwähnen, dass man an ausgewiesenen Aussichtspunkten wunderbare Blicke auf Landschaften, Meer und wie an Berghänge „geklebte“ einsame Dörfer genießen kann. Entspannung wartet, wenn man denn will, in Städten am Meer wie Porto Cristo im Osten oder Port d’Andrax im Südwesten der Insel. 

Erholung findet man in Dörfern und Städten in Bars und Restaurants. Beachten sollte man immer die Parkregelungen, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Und man sollte die langen Siesta-Zeiten im Auge haben und die damit verbundene Tatsache, dass es Abendessen meist erst ab 19.30/20 Uhr gibt; will man in einem bekannten bzw. beliebten Restaurant speisen, empfiehlt sich immer rechtzeitige Reservierung. 

Schlussendlich die Kultur: Mallorca hat eine lange Geschichte, weshalb es so viele Baudenkmäler und Museen gibt. Viele sind allerdings über Winter bis Anfang März geschlossen, was übrigens auch für zahlreiche Restaurants und Hotels gilt. 

Kunstinteressierte finden dennoch jede Menge sehenswerte Objekte. Die Kathedrale in Palma gehört wie ein Besuch der Inselhauptstadt selbst ganz sicher dazu. Besonders gut gefallen hat uns aber auch Pollenca mit dem 365-Stufen-Pilgerweg hinaus zu einer kleinen Kapelle, wo Erholung und ein wunderbarer Rundumblick warten. Und die vielen kleinen Inseldörfer sind ganz sicher einen Stopp mit Kaffee oder frischen Orangensaft wert.

Natürlich gibt es noch viel mehr zu sehen und zu erleben auf Mallorca. Tierparks für die Kleinen, Fahrt mit der Museumsbahn zwischen Palma und dem historischen Soller, Weinbergtouren mit einer Touristik-Bimmelbahn. Letztlich ist die Entscheidung auch eine Frage des persönlichen Geschmacks. Wir haben uns für eine Entdeckungstour durch die Mühlenlandschaft bei Sa Pobla mit tollen Motiven und einem Bummel entlang der wunderbaren Hafenpromenade von Palma entschieden. Der Blick hier auf die „Lady Moura“, eine der elegantesten und teuersten Privatjachten der Welt mit – natürlich – einem Saudi-Scheich als Eigner war der überaus passende Abschluss einer spannenden Mallorca-Reise.