• Herford
  • Vlotho
  • Spenge
  • Enger
  • Löhne
  • Kirchlengern
  • Hiddenhausen
  • Bünde
  • Rödinghausen

„Endstation Minden“: Krimi und ein kleiner Reiseführer

Buch Endstation Minden

Wiehengebirge, Weserbergland mit der Porta, Mühlen, Moor: Kann es in dieser lieblichen Landschaft überhaupt Mord und Totschlag geben? Kann es! Denn natürlich passt auch hier der Song der „Ersten Allgemeinen Verunsicherung“, in dem es heißt: „Das Böse ist immer und überall“. Andrea Gerecke beschränkt sich in ihrem neuesten Krimi „Endstation Minden“ aber nicht nur auf einen Fall, sondern beschäftigt „ihre“ Ermittler gleich mit mehreren Verbrechen an unterschiedlichen Tatorten. Wobei sie es ihnen nicht leicht macht – aber leicht kann ja bekanntlich jeder. Und genau das macht den Reiz von „Endstation Minden“ aus.

Auf verschiedenen Bahnhöfen bzw. in Zügen kommen Menschen ums Leben. Manchmal ist sofort klar: Mord. Manchmal aber ist die Situation komplizierter. Eine echte Herausforderung für die Kriminalisten, die Andrea Gerecke auch in ihr Alltagsleben begleitet und so zu ganz normalen Wegbegleitern der Leser werden lässt. 

Die Ermittler haben es – das wird schnell klar – nicht mit einem Zeitgenossen zu tun, der „nur einfach morden“ will. Vielmehr baut die Autorin die „sozialen Medien“ geschickt in das Geschehen ein. Welche Auswirkungen beispielsweise Mobbing auf Facebook & Co. haben kann, ist hinlänglich bekannt. Aber kann es noch viel weiter gehen? Und wenn ja, wie weit? Andrea Gerecke liefert in ihrem Roman verstörende Antworten. Die man auch als Mahnung und Warnung an Eltern verstehen kann, sich intensiv um ihren Nachwuchs zu kümmern, auch wenn der das auf dem Weg ins Erwachsenwerden häufig nicht will. Und das bedeutet gerade auch, hinzuschauen, wo, wie und wie lange er sich im weltweiten Netz bewegt.

Anzeige

Entspannend wirken dagegen die „Ausflüge“ der Autorin in die Region. Ob Oetker-Museum in Bielefeld, Fahrt mit der Museums-Eisenbahn oder tiefere Einblicke in Leben und Arbeit von Imkern: Sie bringt in ihrer Kriminalststory den Lesern OWL sehr nahe. Wobei die Beschreibungen manchmal so detailreich sind, dass man den Eindruck gewinnt, sich in einem  Reiseführer zu befinden. Das wirkt verwirrend, besonders für alle, die das alles kennen. Für alle anderen aber ist das natürlich neu – und so macht Andrea Gerecke aus ihrem Krimi auch noch einen „Werbebotschafter“ für OWL. 

Bleibt noch die Frage, ob „Endstation Minden“ tatsächlich „Schicht im Schacht“ ist. Die Antwort müssen wir an dieser Stelle aus nahe liegenden Gründen schuldig bleiben. So viel aber sei verraten: Es bleibt spannend bis zum Schluss der 338 Krimiseiten, weil Andrea Gerecke, wie es sich für eine Krimi-Autorin gehört, auch in die Abgründe der menschlichen Psyche greift. Und das garantiert bekanntlich beste Krimi-Unterhaltung. 

„Endstation Minden“, Kriminalroman von Andrea Gerecke, CW Niemeyer Buchverlage GmbH, 338 Seiten, September 2019, eISBN 978-3-8271-8365-1, Taschenbuchausgabe 12 Euro, Kindle-Ausgabe 7,99 Euro.