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Ein erschütterndes Zeitzeugnis

Auch Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung ist das Thema DDR, ist der unvorstellbare Druck, den das Regime mit seiner allgegenwärtigen Überwachungsstrategie auf seine Bürger ausübte, unvergessen. Und so ist mir seit vielen Jahren immer wieder eine Geschichte aus dem Freundeskreis präsent, die mit der Inhaftierung des Fluchthelfers und den Schilderungen der übrigen Familienmitglieder bezüglich des Haftaufenthaltes einhergehen.

In »Und plötzlich waren wir Verbrecher« schildern die Autorengeschwister und deren Mutter den Fluchtversuch und die darauf folgenden Ereignisse.In »Und plötzlich waren wir Verbrecher« schildern die Autorengeschwister und deren Mutter den Fluchtversuch und die darauf folgenden Ereignisse.

Dorothea und Michael, beide hervorragende angehende Musiker der damaligen DDR, der Ehemann von Dorothea und ein befreundeter Kunststudent wagen nach gründlicher Vorbereitung und großer Heimlichkeit 1983 einen Fluchtversuch über die bulgarische Grenze nach Jugoslawien, der letzendlich misslingt und nach Jahren der Inhaftierung zum »Freikauf« durch die Bundesrepublik führt.

Sohn, Tochter, wie auch die Mutter, schildern die Umstände der Flucht, Haft, die Bedingungen in den jeweiligen Gefängnissen. Ein Zeitzeugnis der jüngeren Vergangenheit, das auf jeden Fall beachtens- und lesenswert ist, da bisher diese Gegebenheiten nicht zu häufig niedergeschrieben wurden.

Vieles deckt sich für mich mit den von mir oben genannten Schilderung aus dem Freundeskreis und ebenso mit der jeweiligen Einsichtnahme in die Akten der Gauck-Behörde.

Beide können im bevorzugten »Westen« ihre Karrieren fortsetzen. Dorothea Ebert als Violinistin beim Bayerischen Staatsorchester und als Dozentin der heutigen Hochschule für Musik und Theater in München. Michael Proksch als freier Komponist, Pianist und Autor. (DBK)

»Und plötzlich waren wir Verbrecher« - Geschichte einer Republikflucht, Dorothea Ebert Michael Proksch, ISBN 978-3-423-24799-1, DTV, 14,90 Euro. (Cover: dtv-verlag)