• Herford
  • Vlotho
  • Spenge
  • Enger
  • Löhne
  • Kirchlengern
  • Hiddenhausen
  • Bünde
  • Rödinghausen

Schaubude: Themen der Welt hinter Masken

Schaubude in BerlinAn der Greifswalder Straße im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg steht ein blassbraunes Gebäude mit den überdimensionalen Lettern „Schaubude“. Es handelt sich dabei um ein Puppentheater für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Tritt man näher, sieht man im Fenster handgemachte Kunstwerke, die in regelmäßigen Abständen, wie bei einer Ausstellung, ausgetauscht werden.

Ich persönlich muss gestehen, dass ich bei dem Wort „Puppentheater“ unwillkürlich an naiv lautes Kinderspiel denken muss, das für Erwachsene nur als Begleitperson geeignet ist. Doch die Masken im Fenster und die Flyer mit den Bildern der Aufführungen lassen mich ahnen, dass ein Besuch in diesem Theater eine unvergessliche Erinnerung werden könnte.

Schaubude in BerlinIch stöbere im Internet nach der Homepage und stoße sogar auf die Information, dass „Puppenspiel“ nicht nur ein Handwerk, sondern sogar ein Studiengang ist, der an staatlichen Schulen angeboten wird. In der kleinen Broschüre, die ich mir aus einem Fach, das an der Eingangstür befestigt ist, mitgenommen habe, lese ich einiges über die Inszenierungen und betrachte die dazugehörigen Bilder. Faszinierend sind die verschiedenen Eindrücke, die ich gewinne. Mal sind es Darsteller, die halb als Tier, halb als Mensch auftreten. Dann wieder skulpturartig geformte Stücke, die mich glauben lassen, eine Ausstellung über ägyptische Kunst zu besuchen. Es gibt auch „Performatives Figuren und Objekttheater“, was bedeutet, dass unter anderem mit Video-Projektionen gearbeitet wird. Auch Klassiker wie „Romeo und Julia“ werden in völlig neuem Licht inszeniert und auch schon mal in eine Küche versetzt, in der das alte Thema zwischen Geschirr und Lebensmitteln neu aufgerollt wird.

Für kleine Zuschauer bietet die „Schaubude“ das Puppentheaterstück „Erwin wünscht sich was“, in dem mit den Mitteln der Collage und Objekten, die aus Kinderzimmer stammen könnten, wie etwa ein kleines Schiff, die Geschichte einer Freundschaft erzählt wird.

Ich vereinbare einen Termin für ein Interview mit Silvia Brendenal, der künstlerischen Leiterin der „Schaubude“.

Seit wann gibt es die „SCHAUBUDE BERLIN“?
Silvia Brendenal: „Wir begingen im Oktober 2013 unser 20-jähriges Bestehen mit dem Festival „Theater der Dinge“. In der Wendezeit gegründet, fungiert die SCHAUBUDE BERLIN als Spielstätte für die Berliner Puppen-und Figurentheater und für nationale und internationale Gastspiele.

Schaubude in BerlinAuf welche Art von Darbietungen ist die SCHAUBUDE spezialisiert?
Silvia Brendenal: „Wir nennen uns „Theater für Puppen Figuren und Objekte“. Das heißt, man kann die konventionelle Puppentheateraufführung ebenso sehen, beispielsweise die klassische Handpuppeninszenierung in der Guckkastenbühne, hinter der die Schauspieler verschwinden, wie die Objekttheaterinszenierung, in der das belebte Objekt, wie z.B. ein Stein oder ein Stück Holz, auf der Bühne eine entscheidende Rolle spielt. Wobei die Ästhetik der Darstellungen bei uns so verschiedenartig ist, wie die Puppentheater-Szene in Berlin vielfältig ist.“

Wie erfolgt die Auswahl der Stücke?
Silvia Brendenal: „Mir ist es wichtig, dass die Schaubude ein Ort des Entdeckens und Erforschens ist. Dabei geht es um „die Erforschung“ des Ausdruckspotenzials des dingliche Materials, das bei uns die Grundlage des Bühnengeschehens darstellt. Und natürlich ist eine unserer Aufgaben auch, jungen Künstlern die Möglichkeit zu geben, sich auszuprobieren, sich künstlerisch zu etablieren. Aber letztlich ist entscheidet, welche Themen, die Künstler auf welche Weise auf der Bühne behandeln.“

Was möchte die Schaubude insbesondere Kindern vermitteln?
Silvia Brendenal: „Entscheidend ist, dass unser Spielplan für Kinder und der für Erwachsene den gleichen ästhetischen Kriterien genügen. Es geht darum, die poetische und ästhetische Vielfalt dieser besonderen Theaterkunst für alle Altersgruppen darzustellen. Kinder beginnen meist bei uns mit ihrer „Laufbahn als Theatergänger“, gehen also zum ersten Mal ins Theater und werden dort abgeholt, wo sie sich, bezogen auf ihre Welterkenntnis und -vorstellung, gerade befinden.“

Schaubude in BerlinWie alt ist das Durchschnittspublikum? Wahrscheinlich ist das sehr gemischt, oder?
Silvia Brendenal: „In den Vorstellungen für Erwachsenen ist es eher gemischt. Doch erfreulicherweise beobachte ich, dass wir ein relativ junges Publikum haben. Die Spielweisen auf unserer Bühne sind oft sehr assoziativ, brauchen daher einen Zuschauer, der bereit ist, mitzuspielen, seine Geschichten zu entwickeln. Die Künstler gehen da oft ein schöpferisches Risiko ein. Es kann sein, der Zuschauer spielt mit, es kann sein, er verweigert sich. Das heißt, das Spektrum möglicher Zuschauerreaktionen kann sehr breit sein, kann von der radikalen Ablehnung bis zur tiefen, emotionalen Berührung reichen. Kürzlich hatten wir eine Inszenierung auf dem Spielplan, die die eigene Welt, in der sich autistische Menschen bewegen, zum Thema hatte. Am Ende der Aufführung klatschte niemand. Nach gefühlten fünf Minuten sagte eine Frau - eher leise: „Gott, war das schön!“ Erzählt wurde keine klare, ablesbare Geschichte, sondern gezeigt wurden rein assoziative Spielsituationen. Das Publikum hatte offenkundig Lust, noch für einen Moment in dieser Atmosphäre des Entdeckens, des Eingebunden-Seins zu verweilen.“

Gibt es bestimmte Themen, die besonders gern verarbeitet werden?
Silvia Brendenal: „Wir zeigen ein Theater der Dinge und ich glaube, dass wir in einer Zeit leben, in der die dingliche Welt eine neue Aufmerksamkeit bekommt. Man geht nicht mehr so gedankenlos mit Ressourcen um und es ist sicher interessant, wenn in diesem Zusammenhang auf der Bühne die Beziehungen zwischen Menschen und Dingen thematisiert werden.“

Schaubude in BerlinWie baut sich ein Stück auf, bevor es gezeigt wird?
Silvia Brendenal: „Die Inszenierungen werden von den Künstlern erarbeitet. Wir sind kein produzierendes Theater, sondern eines mit Spielbetrieb. Was meint, wir bieten den Künstlern die Möglichkeit, ihre Inszenierungen in unserem Hause zu zeigen. Und unterstützen sie bei der Geldfindung, der Antragsstellung usw. Wir engagieren uns für die Arbeit der Künstler, doch die künstlerische Erarbeitung der Inszenierung findet durch die Puppenspieler statt.“

Nach dem interessanten und aufschlussreichen Gespräch zeigt mir Silvia Brendenal noch einige Objekte in ihrem Büro, die es in der Schaubude auf der Bühne zu sehen gab. Ich bin sehe die filigranen Figuren aus Folie und Knetmasse, die den Raum spicken und bin beeindruckt über die Liebe zum Detail und die besondere Art der Aufmerksamkeit, die Menschen Dingen geben müssen, wenn sie so etwas herstellen und damit arbeiten. Wir unterhalten uns noch kurz über typische Kinderinszenierungen, die bewusst naiv darstellen, weil sie ihrem Publikum wenig Verständnis zutrauen. Frau besteht darauf, die Kinder grundsätzlich ernst zu nehmen und zu fordern und ihnen so die Möglichkeit zu geben, Neues zu entdecken. (Text: Juliane Ryll, Fotos: Gaps, Sandy Schwermer, Foto: Silke Meyer
Manto, NUMEN Company, Foto: Uta Gebert
Ssst!, florschütz & döhnert, Foto: Joachim Fleischer
Trial and Error, Handmaids Berlin, Foto: Michal Glazik
SCHAUBUDE BERLIN, Haus, Foto: Silke Haueiß )

Kurznachrichten

Anzeige
Werbe-Button CAPITOL 3D-Kino

Service

Social