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Das Origami-Prinzip in der Kunst

Herford -

Die Natur steckt voller komplizierter Faltungen, waghalsiger Biegungen und überraschender Knautschungen.

Iyo Hasegawa, Yamaori Taniori Tent, 2011, Karton, 100 x 150 x 150 cm

Die Natur steckt voller komplizierter Faltungen, waghalsiger Biegungen und überraschender Knautschungen. In der Ausstellung „Ausbruch aus der Fläche“, die an diesem Samstag, 24. Februar 2018 eröffnet wird und bis zum 3. Juni 2018 im Marta Herford läuft, spüren internationale Künstler*innen diesen faszinierenden Strukturen und ihren Einflüssen auf die menschliche Wahrnehmung nach.

In Anlehnung an die komplexen Prinzipien des Origamis und ihrer aktuellen Bedeutung in Wissenschaft und Technik beschäftigen sie sich auf medial vielfältige Weise mit den unendlichen Möglichkeiten der Verformung von Flächen. Ob gefaltet, gekrümmt, gewölbt, gezeichnet oder gemalt erzeugen die Werke nicht nur ihren eigenen Raum: Auch Komprimierung und Reduktion bis zu unkontrollierbarem Erschlaffen werden thematisiert, das Spiel von Licht und Schatten, von Sicht- und Unsichtbarkeit.

Schon vor der Erfindung des Papiers (ca. 100 v. Chr. in China) wurden Stoffe und andere Materialien gefaltet. Mittlerweile dient die traditionelle japanische Kulturtechnik des Origamis aber auch wissenschaftlichen Erkenntnissen: Durch das mathematische Verständnis von Faltprinzipien entwickeln Forscher*innen neue Lösungen für Technik, Medizin oder Bionik. Die internationalen Künstler*innen der Marta-Ausstellung nehmen das Origami-Prinzip nun als Ausgangspunkt, um diese neuen Perspektiven auf Oberflächeneffizienz, kontrollierten Knautschungen und Entblätterungen mit ihren eigenen Mitteln zu durchdringen. Dabei gehen die vielfach eigens für die Marta-Räume entworfenen Ausstellungbeiträge eine reizvolle Beziehung mit der Gehry-Architektur ein. Als Raumexperiment, Spiel mit den Sinnen oder als Versuchsanordnung zu klassischen künstlerischen Fragestellungen entstehen filigrane Werke, gigantische Raumbesetzer und Denkräume. Dazu einige Beispiele:

Geometrie, Oberfläche, Farbe und Licht bestimmen die Skulpturen von Rana Begum (*1977, Bangladesch). Durch Faltungen und Kontraste erzeugen sie eine fast flatterhafte Bewegung im Raum, die höchst anregend mit den fotografischen Faltungen von Shirana Shahbazi (*1974, Teheran) auf einer geradezu explodierenden Wand kontrastieren.

Die Natur steckt voller komplizierter Faltungen, waghalsiger Biegungen und überraschender Knautschungen.

Rana Begum, No.563 WFold, 2014, Furnier und Lack auf Birkenschichthol, 198 x 125 x 80 cm , Courtesy Galerie Christian Lethert, Foto: Phil White

Eigens für das Marta Herford entwarf Philippe Decrauzat (*1974, Schweiz) die zweifarbige Wandmalerei „On Cover“ (2018), die sich aus einem kleinteiligen Raster dichter Farbstreifen in Cyan und Magenta zusammensetzt. Dabei spielt Decrauzat mit den Farbwahrnehmungen der Betrachtenden durch den sogenannten Moiré-Effekt, der die Wand scheinbar pulsieren lässt.

Wie ein überdimensionaler Lindwurm schiebt sich die gigantische Luftballonskulptur von Hans Hemmert (*1960, Deutschland) durch einen Zugang der Galerieräume. Auf ebenso schlichte wie humorvolle Weise lässt der Künstler die weiche, fließende Form auf Eckigkeit und Härte treffen, während eine dünne Membran mit großer Wirkung Raum nimmt und zugleich neu schafft.

Inspiriert durch das historische „Café Samt & Seide“ (1927), das von Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich für einen Berliner Messestand der deutschen Seidenwebereien entworfen wurde, entwickelte Erika Hock (*1980, Kirgisistan) den „Salon Tactile“ (2018), der als Erfahrungs-, Informations- und Arbeitsort dient. Geschwungene, paraventähnliche Fadenvorhänge schaffen transparente, gleichzeitig geschlossene Zonen, in denen sich die Besucher*innen mit den wissenschaftlichen Entwicklungen des Origami-Prinzips ebenso beschäftigen können wie ganz praktisch mit den Falttechniken selbst. Es finden hier dienstags, samstags und sonntags jeweils von 14.30 bis 17.00 Uhr angeleitete Workshops statt.

Mit dem Instrument der optischen Täuschung spielt Navid Nuur (*1976, Teheran) in seinem Video­raum „Transfigurations“ (2011/12): Ähnlich wie bei einem magischen Trick versetzen die Hände des Künstlers einen schwarzen Bogen Papier in Bewegung. Durch die linearen Faltungen, die sich an Kompositionsprinzipien klassischer Malerei orientieren, wird die weiße Rückseite der Fläche sichtbar und bleibt es verblüffenderweise auch selbst beim Zurückknicken des Papiers.

Seine abstrakten Skulpturen setzt Michail Pirgelis (*1976, Deutschland ) aus ausrangierten Flugzeug­teilen zusammen. Auch wenn die traditionellen Origami-Techniken im modernen Flugzeugbau perfekte Vorbilder bieten, um mit leichten Materialien extreme Lastenträger zu konstruieren, erscheinen die Werke von Pirgelis in einem großen Gegensatz zwischen Fragilität und Stabilität und muten mit den freigelegten Spuren unter dem Lack fast malerisch an.
(Text: Daniela Sistermanns -Museum Marta Herford)

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